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Neues Kernfach ab 8. Klasse: GRIECHISCH

Der Griechischunterricht führt die Schüler an die geistigen Grundlagen der europäischen Kultur heran; er bildet ganz besonders umfassend und intensiv.

Im Sprachunterricht der Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 lernen die Schüler den schöpferischen Reichtum der griechischen Sprache kennen. Am System der Formenlehre üben sie, die Vielfalt der Formen auf eine begrenzte Zahl von Bauelementen zurückzuführen und so die Bedeutung eines Wortes zu erschließen. Bereits im Anfangsunterricht werden originale Texte verwendet. Dabei fühlen sie sich besonders gründlich in fremde Gedanken ein, stärken ihre Ausdrucksfähigkeit in der Muttersprache und ihre sprachliche Kreativität. Das Erlernen des Griechischen verlangt von den Schülern Genauigkeit, Disziplin und Ausdauer - und fördert diese "Sekundärtugenden" auch besonders.

Sehr viele Begriffe aus Politik und Gesellschaft, Wissenschaft, Kunst und Philosophie sind griechischer Herkunft, z. B. "Demokratie, Psychologie, Mathematik, Atom, Tragödie, Ethik". Das Lernen des Griechischen hat stets sachliche Information, begriffliche Klärung und kulturelle Orientierung zum Ziel.

Im Lektüreunterricht gewinnen die Schüler Zugang zur Literatur der Griechen. Hier werden anspruchsvolle, kunstvoll gestaltete Originaltexte sorgfältig übersetzt und interpretiert. Zur Ergänzung und Vertiefung werden Werke der bildenden Kunst und Architektur betrachtet, die das ästhetische Empfinden der Schüler wecken.

Das Verstehen der Inhalte regt die Schüler zum eigenen Nachdenken, zu persönlicher Stellungnahme und Entscheidung an. Die Auseinandersetzung mit Zeugnissen aus Geschichtsschreibung, Staatslehre, Naturwissenschaft, Religion und Philosophie fördert ihr Problemverständnis. Eine solche Beschäftigung mit der Sprache und den Texten führt über grundlegendes Wissen hinaus: Sie dient der Erweiterung des Bewusstseins.
br> Den Schülern wird auch deutlich, wie sich das Weltverständnis der Griechen zuerst im Mythos äußerte und dann durch bewussten Gebrauch des Verstandes gewandelt wurde: Vom Mythos zum Logos. Sie lernen die von den Griechen erstmals ersonnenen Denkmuster und Ausdrucksformen in Wissenschaft, Philosophie, Literatur und Kunst kennen. Damit wird ihnen ein lebendiger Einblick in die Grundlagen abendländischen Denkens und Handelns vermittelt.

Das demokratische Ideal der inneren und äußeren Freiheit war ein Kerngedanke griechischer Lebensauffassung; die Griechen rückten den Menschen als erkennendes und handelndes Individuum in den Mittelpunkt des Interesses. Entsprechend steht der Lehrplan des Leistungskurses unter dem Gesamtthema 'Die Selbstfindung des Individuums'.

In den griechischen Originaltexten begegnen die Schüler Grundfragen des Menschen, die in der Antike exemplarisch aufgeworfen wurden und bis in die Gegenwart von entscheidender Bedeutung geblieben sind, wie z. B.: Ist der Widerstand gegen einen Unrechtsstaat gerechtfertigt (Sophokles, Antigone)? Lässt sich der ethische Relativismus als menschliche Grundhaltung vertreten (Platon, Gorgias)? Worin liegen die Gefahren einer schrankenlosen Politik der Macht (Thukydides, Melierdialog)? Welches ist die beste Staatsform, (Platon/Aristoteles)? Wo liegen die Grenzen einer rein rationalen Wissenschaft (Vorsokratiker)?

Indem die Schüler solche Fragen in ihrer ursprünglichen Sprache erfassen und verstehen, überwinden sie die große zeitliche Distanz. Der Griechischunterricht kann ihnen Hilfe für die eigene Wertorientierung und für verantwortliches Handeln in der Gemeinschaft sein: So verwirklicht er das Bildungsziel des Humanismus.