Nachdem auf der Homepage bereits über den erfolgreichen Start von Ingeborg Christl und Korbinian Scherübl in die erste Runde des Landeswettbewerbs Alte Sprachen berichtet wurde, gibt es nun erneut Grund, stolz zu sein, auch wenn es am Ende hauchdünn nicht für den Einzug in die Finalrunde gereicht hat. Das Duo gehört auf jeden Fall zu den besten Nachwuchstalenten des Landes. In der anspruchsvollen Interpretationsklausur der zweiten Runde bewiesen sie, dass antike Texte auch nach 2.000 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Foto: privat
Gegenstand der Prüfung war die Interpretation eines Text aus Ovids Tristien. Darin verarbeitet der römische Dichter sein Leben in der Verbannung – ein Thema, das heute, angesichts der Krisen in der Ukraine, in Israel und weltweit eine traurige Brisanz besitzt. Ovid schreibt über den Verlust der Heimat, das Verstummen der eigenen Sprache und die schmerzhafte Ungewissheit in der Fremde. Besonders beeindruckte die Jury wohl der kreative Teil der Prüfung. Hier waren andere Kompetenzen gefragt. Die Aufgabe bestand darin, sich in die Lage einer zwangsvertriebenen Person hineinzuversetzen und eine moderne Form der Äußerung zu wählen, wie z.B. einen pointierten Social-Media-Thread, einen Beitrag zu einem packenden Podcast. Um diese Brücke in die Moderne zu schlagen, arbeiteten Inge und Korbinian zusätzlich mit Texten von Mascha Kaléko, Miia Kaziun und Hassan Al Hamad. Diese literarischen Stimmen spiegeln wider, was es heute bedeutet, alles zurückzulassen – den Beruf, das Zuhause und die vertraute Umgebung. Die Fähigkeit, die antike Klage des Ovid so authentisch in die heutige Medienwelt zu übertragen, zeigte Empathievermögen und Reflexionsgabe.
Die Fachschaft Latein ist stolz auf Inge und Korbinian. Wer sich durch die kniffligen und komplexen Runden eines Landeswettbewerbs arbeitet, verdient Respekt. Als Anerkennung für dieses Engagement überreichte die Schulleitung den beiden wertvolle Buchpreise. Beide haben auf jeden Fall gezeigt, dass die „Alten Sprachen“ an unserer Schule immer wieder durch junge, kluge Köpfe ganz neu zum Leben erweckt werden!
Heike Traunspurger