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Mit den Schwächeren solidarisch sein

Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums schärfen im Schulprojekt "Compassion" ihr soziales Bewusstsein und übernehmen Verantwortung für andere.


Kneteten an den Gartendamen aus Ton: Minghwan, Leonhard und Niko vom AMG
Foto: Scheiner

Gerade schieben Minghwan und Leonhard das Blech mit dem Kuchenteig in den vorgeheizten Backofen. Daneben wischen Niko und zwei Bewohner des Wichern-Hauses bereits die klebrige und mehlbestäubte Arbeitsplatte in der kleinen Küche des Wohnbereichs 2 sauber. Die drei Schüler, 15 bis 16 Jahre, des Albertus-Magnus-Gymnasiums (AMG) haben eine Woche lang in dem Wohnheim für psychische kranke Menschen hospitiert. Sie sind mit Bewohnern spazieren gegangen, haben die Ausstellung in der Ostdeutschen Galerie besucht, Brettspiele gespielt oder waren einfach da, um zu plaudern.

Auch in den Werkstätten des Wohnheims waren sie zu Gange. Sie halfen Fahrräder zu reparieren und kneteten an den "Gartendamen" aus Ton mit, einem der erfolgreichsten Produkte der Kreativwerkstatt der diakonischen Einrichtung, und sie kochten gemeinsam mit Bewohnern.

Sie seien "ohne Vorurteile gekommen", bezeugen die Jungs. Dann hat es sie aber doch überrascht, "dass es alle ganz normale Menschen sind, die hier wohnen". Vielleicht etwas langsamer und manchmal bedächtiger, aber das „kommt von den Medikamenten, die die Leute nehmen müssen“, sind sich die drei sicher. Auch sonst haben sie in der Woche einiges gelernt, erzählen sie abwechselnd. Neu war für Niko "solche Menschen privat kennenzulernen" und zu erleben, wie nett die meisten sind. Minghwan weiß jetzt "viel mehr als vorher über psychische Krankheitsbilder, Persönlichkeitsspaltung und solche Dinge".

Auch drei Mädchen, die im Tageszentrum Café Insel im Einsatz waren, geben an, viele neue Erfahrungen und Eindrücke gemacht zu haben. Diese wollen sie später an die Klasse weitergeben. Sie erlebten die Woche "mit den verschiedenen Angeboten als sehr abwechslungsreich für alle, die hierher kommen". Und sie waren erstaunt, wie viele jeden Tag hierher kommen und im Café, an der Theke und in der Küche mithelfen. Insgesamt haben zehn Schüler der 10. Jahrgangsstufe hospitiert und dabei einen tiefen Einblick in die soziale Arbeit gewonnen. Ganz praktisch und unverstellt. Eine Erfahrung, die alle nicht mehr missen wollen. Für Studiendirektorin Beate Weber, die das fächerübergreifende Unterrichtsprojekt seit vielen Jahren begleitet und organisiert, ist es ein wichtiges Anliegen, dass damit „soziale Sensibilität geschärft wird und die Bereitschaft geweckt wird Verantwortung für andere zu übernehmen und mit Schwächeren solidarisch zu sein.“

aus: Mittelbayerische Zeitung, 25.03.2014