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"Zukunft braucht Herkunft" – diese Worte des Philosophen Odo Marquard umschreiben glänzend die Intention des Landeswettbewerbs "Alte Sprachen", nämlich sich tüftelnd, übersetzend und kreativ mit den sprachlichen und kulturellen Grundlagen Europas zu befassen. Josephine Wachsmuth, Matthias Daum und Julius Sobek aus der zwölften Jahrgangsstufe hatten sich erfolgreich in einem Teilnehmerfeld von mehr als 1300 Schülern in Latein durchgesetzt und sich somit für die Runde der letzten 50 qualifiziert. Nun erhielten sie schöne Buchpreise für ihre hervorragende Leistung.

Landeswettbewerb2016

In der ersten Runde übersetzten Josephine, Julius und Matthias einen äußerst anspruchsvollen Text des Redelehrers Quintilian nahezu fehlerfrei ins Deutsche. Wieder einmal beweist der Text die Zeitlosigkeit bestimmter Fragestellungen, bei denen die antiken Schriften ein tieferes Verständnis der Gegenwart ermöglichen können. Quintilian setzt sich mit der Frage auseinander, ob es sinnvoller ist, sein Kind in die Hände eines Privatlehrers zu geben oder ob eine öffentliche Schule vorzuziehen ist. Auch erörtert der Rhetoriklehrer die Frage, inwieweit Überbehütung sich negativ auf die Entwicklung der Kinder auswirken kann, eine Diskussion, die auch jetzt wieder unter dem Stichwort "Helikoptereltern" durch die Presse geistert.

In der zweiten Runde mussten unsere drei Spitzen-Lateiner nun eine Interpretationsklausur bewältigen, die zudem eine kreative Rezeption des Textes forderte.

Thema war ein fiktiver Brief Penelopes an ihren durch die Meere irrenden Gatten Odysseus aus der Feder des großartigen Dichters Ovid, der es stets verstand, zwischenmenschliche Beziehungen psychologisch, aber mit einem Augenzwinkern zu beschreiben. Hier ging es darum, die hochmoderne Darstellung der inneren Zerrissenheit der Königin Penelope zu beschreiben, die gequält wird zwischen Wut, Angst, Selbstzweifeln, Eifersucht und ihrer gesellschaftlichen Rolle, die sie zu erfüllen hat.

Im Kreativteil sollten die Schülerinnen und Schüler dann einen Tagebucheintrag des griechischen Helden nach seiner Rückkehr nach Ithaka schreiben. Sehr progressiv wurde hier oft die mögliche Entfremdung innerhalb von Partnerschaften thematisiert, aber auch mit Themen wie Treue, Geborgenheit und innere Ängste zeichneten die Schüler den listigen Griechen hier oft sehr menschlich.

Auch bei dieser Prüfung schlugen sich Josephine, Julius und Matthias wacker, wenngleich es nicht ganz für die Runde der letzten Zehn gereicht hat.

Als Preis erhielten sie zum einen den Band "Roms sprechende Steine" von Klaus Bartels, der sie auf vierzehn Spaziergängen anhand lateinischer Inschriften durch Rom führt, die von der augusteischen Zeit bis ins Jahr 1984 reichen. Spannende Lektüre erwartet sie mit Robert Harris´ drittem Band der Trilogie zu Ciceros Leben, Dictator, der den letzten Kampf des größten Redners aller Zeiten für die Republik beschreibt, ein Buch, dessen Thema zeitlos ist: Wie lässt sich politische Freiheit gegen die Dreifachbedrohung aus skrupellosem Ehrgeiz, einem von Geld beherrschten Wahlsystem und den verderblichen Auswirkungen von Kriegen schützen?

Wir gratulieren und wünschen viel Spaß mit den Preisen.

Karin Kemmeter