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Am Dienstag, den 8.3., hatte sich die gesamte 10. Jahrgangsstufe um 14 Uhr in der Aula versammelt und wartete gespannt auf Rainer Schneider. Der 1954 in Erfurt geborene Schneider wuchs aufgrund komplizierter Familienverhältnisse bei seinen Großeltern in Erfurt auf, während seine Mutter in Stuttgart lebte. Engagiert und kontaktfreudig schilderte er den Schülerinnen und Schülern seine Sicht des Lebens im Sozialismus und wie es dazu kam, dass er 1974 – nur 20-jährig – aus der DDR ausgebürgert wurde.

Schneider

Zunächst aber zeigte er zwei Bilderbücher, wie sie in Kinderkrippen und –gärten der DDR Verwendung fanden. Im Inneren: die Darstellung militärischer Aspekte wie Waffengattungen etc.! Nur ein Aspekt, mit dem Rainer Schneider seinem Publikum den angeblich friedliebenden demokratischen Staat DDR enttarnen sollte. Seine eigenen Erfahrungen aus den Ferienlagern, die zu militärischem Drill und politischer Propaganda genutzt wurden, führten den Zuhörern die staatliche Wirklichkeit vor Augen.

Nicht vergessen werden die Schüler auch die eindringliche Erzählung von seiner Verhaftung samt Vorgeschichte. Unterhaltungen mit einem Bekannten über die Absicht, die DDR zu verlassen, wurden ihm zum Verhängnis. Als Stasi-Mitarbeiter gab dieser alle Einzelheiten weiter; so wurde Schneider Anfang des Jahres 1972 – noch 17-jährig – im Erfurter Bahnhof verhaftet und wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts“ zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1972 wieder entlassen, stellte er mehrere Ausreiseanträge, die schließlich 1974 erfolgreich waren. Rainer Schneider konnte in die BRD ausreisen.

Gute zwei Stunden lang schaffte es Rainer Schneider, die Schüler mit seinem Thema zu fesseln. Am Ende dürften sie ihm sicher zugestimmt haben: So schön, wie manche ehemalige DDR-Bürger sie gern sähen, war die DDR wohl doch nicht.

Stephan Brandmüller