Slideshow10.jpg

Ich bin ein Mensch, der normalerweise große Probleme damit hat, Entscheidungen zu treffen. Doch es gibt diese eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.
Ich will euch hiermit dazu ermutigen, den Schritt zu gehen, über euren Tellerrand herauszuschauen und für ein paar Monate in ein neues Leben einzutauchen.

Alles, was ihr dafür meiner Meinung braucht, ist eine offene und positive Einstellung, die Lust, neue Erfahrungen zu machen, große Motivation und natürlich die Zustimmung eurer Eltern. Alles andere regelt sich dann normalerweise von selbst.

Ich war in der Nähe von Lyon auf einer privaten Schule die mich mit ihren 2000 Schülern erst einmal komplett überwältigte. Ehrlich gesagt habe ich in den ersten 2 Wochen nicht viel verstanden und fühlte mich teilweise ein wenig alleine. Irgendwann habe ich angefangen, mich mit Mitschülern in der Kantine und in der Pause zu unterhalten. Dies war ein wichtiger Schritt, der mich zwar anfangs viel Überwindung kostete, aber ich benutze dafür gerne den Vergleich, in kaltes Wasser zu springen. Der Körper braucht Zeit, sich der Temperatur anzugleichen. Nur der erste Schritt ist schwierig, man gewöhnt sich daran und es fällt immer leichter und leichter. Daraus entwickelten sich Freundschaften und mit der Zeit sogar sehr enge Bindungen. Das hat mich sehr gestärkt und ermutigt. Ich hatte ziemliche Angst vor der Schule, da in Deutschland die französische Schule oft als "Kindergefängnis" dargestellt wird, was meiner Meinung nach falsch ist. Allerdings stimmt es, dass man jeden Tag außer mittwochs, den man bis 12.00 in der Schule verbringt, bis ca. 16:30 Schule hat. Man lernt viel und den ersten Monat war ich abends todmüde, aber es ist auch irgendwie schön, den ganzen Tag -mit einer längeren Mittagspause- mit Freunden zu verbringen. Die Lehrer haben mich sehr unterstützt und waren sehr verständnisvoll und sogar überrascht von meiner Motivation, im Unterricht mitzuarbeiten, Arbeiten mitzuschreiben und Hausaufgaben zu erledigen wie die anderen. Das hat mir viel gebracht, auch für das Schriftliche.

Die Familie, in der ich gelandet war, war sehr anders als das, was ich gewohnt war, aber das war auf alle Fälle eine Bereicherung. Man wächst mit Schwierigkeiten, reift mit dem selbstständigen Lösen von Problemen. Darin haben mich meine dort gefundenen Freunde auch sehr unterstützt und dadurch waren sie und ihre Familien für mich wie ein Hafen, an dem ich mich sehr geborgen und sicher fühlte. Damit hatte ich großes Glück und ich habe noch täglich Kontakt mit ihnen. Jede Ferien fahr entweder ich nach Frankreich oder jemand zu mir, was echt super ist! Das war wohl der größte Erfolg, der sogar den Gewinn einer Sprachreise an die Côte d’azur in den Schatten stellt. Das Gefühl, in einem anderen Land verwurzelt und jederzeit Willkommen zu sein, ist unbeschreiblich!

Der Abschied war natürlich schrecklich. Meine Freunde hatten am letzten Wochenende eine große Überraschungsfeier für mich organisiert, wo ich alle nochmal sehen konnte, die mich durch diese 6 Monate begleitet haben. Sie haben alle zusammengelegt, damit ich mir schnellst möglich ein Flugticket kaufen kann, Briefe geschrieben und mir ein Fotoalbum mit schönen Erinnerungen überreicht. Überglücklich und gleichzeitig sehr traurig bin ich nach Hause gekommen. Ich hatte mich selbst sehr verändert, war selbstbewusster und einfach sicherer geworden. Ich war davon überzeugt, dass es eben ein "au revoir" und kein "adieu" war, was sich bewahrheitet hat.

Trotz allem habe ich die 10. Klasse relativ gut abgeschlossen. Es gab natürlich Lücken in gewissen Fächern, die ich nicht geschafft habe, zu schließen (v.a. in Chemie) aber es besteht ja immer die Chance, jeweilige Fächer in der 11. Klasse abzulegen oder eben die Klasse zu wiederholen, was auch keine Schande ist!

Ich kann euch sagen, dass mein Aufenthalt in Frankreich mit die beste Zeit meines Lebens war und ich kann euch nur allen Mut zusprechen, wenn ihr da Lust drauf habt!

Bei weiteren Fragen könnt ihr euch gerne persönlich oder per Email an mich wenden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Lea Tanzer, Q 11