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Regensburg hat mehrere Partnerstädte, die möglicherweise vielen von uns unbekannt sind; eine davon ist Aberdeen, die aus silbergrauem Granit gebaute Stadt weit oben im Nordosten von Schottland.

Schottland

Im Jahr 2015 gab es den ersten Kontakt zwischen einer Schule in Aberdeen und dem AMG. Möglich gemacht hatte ihn unsere ehemalige Kollegin Frau Bayer-Riepl, die auf einer Fortbildungsveranstaltung eine Lehrerin von der Kincorth Academy kennengelernt und sich für einen Austausch eingesetzt hatte. Und so flogen im Oktober 2015 dreizehn Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe nach Aberdeen, wo sie ein interessantes und vielfältiges Programm erwartete. Eine ausführliche Führung durch das repräsentative Rathaus gehörte ebenso dazu wie der Besuch des Unterrichts in der Gesamtschule oder auch ein Ausflug zu einer wunderschön gelegenen Burg am Meer. Ein bisschen leiden mussten die deutschen Austauschschüler auch, war doch angeordnet worden, dass sie in Schottland genau zur selben Zeit wie ihre Mitschüler in Deutschland den Jahrgangsstufentest zu schreiben hätten; dies geschah auch so, wegen der einen Stunde Zeitunterschied aber ziemlich früh am Morgen. Davon abgesehen aber genossen die Teilnehmer, wie wir glauben, den Aufenthalt sehr.

Ein echter Austausch im traditionellen Sinn war es nicht. Zwar haben wir sehr viele freundliche Menschen getroffen, aber wir waren in einer Jugendherberge untergebracht und nicht in Gastfamilien; auch war nicht jedem Teilnehmer automatisch ein schottischer Schüler zugeordnet, so dass sich die Kontakte in Grenzen hielten. Dennoch gewannen wir interessante Einblicke auch in den Schulalltag und wir hörten natürlich sehr viel Englisch. Die schottischen Gastgeber zeigten sich sehr spendabel, was den überaus großzügigen Zuschüssen durch die Stadt zu verdanken war; dies würde aber, so wurde uns mitgeteilt, bloß beim allerersten Mal so gehandhabt werden, damit der Austausch in Gang käme.

Auch wenn dieser erste Besuch sehr vielversprechend war, so mussten wir doch im darauffolgenden Jahr auf eine Begegnung verzichten. Die Lehrerin, die für den Austausch zuständig gewesen war, hatte ihre schottische Schule verlassen, um in Indien zu unterrichten! Eine andere Lehrkraft, die willens war, sich zu kümmern, fand sich nicht. Dabei muss man wissen, dass die Schüler an der Kincorth Academy nicht Deutsch lernen, also gibt es keinen Deutschlehrer, der die Sache in die Hand nehmen könnte. Außerdem leidet die Schule ein wenig unter Lehrermangel, weshalb die vorhandenen Lehrkräfte zeitmäßig voll ausgelastet sind und niemand gerne zusätzliche Arbeit übernimmt, zumal der Schule ein Umzug bevorsteht, was auch sehr viel Planung und Organisation erfordert. Kurz und gut: Der Austausch war schon wieder eingeschlafen, bevor er richtig begonnen hatte.

Deshalb sind wir glücklich, dass im Herbst 2017 doch wieder eine Fahrt zustandekommt, da sich schließlich eine Lehrerin gefunden hat, die bereit ist, sich darum zu kümmern. Ein Austausch im traditionellen Sinn wird es wiederum nicht sein. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich in Aberdeen keine Familien finden, die willens oder in der Lage sind, einen Gast aufzunehmen. Offensichtlich sind die Zeiten vorbei, in denen dies unkompliziert möglich war. Wir haben aber den Wunsch geäußert, dass dieses Mal jedem Gast ein schottischer Schüler bzw. eine Schülerin zugeteilt wird, und es wurde angekündigt, dass die Teilnehmer des Austauschs zu einem Essen in Familien eingeladen werden, so dass der Kontakt etwas intensiver werden dürfte als beim letzten Mal. In jedem Fall sind wir sehr gespannt auf die Fahrt und freuen uns auf viele schöne Begegnungen in dieser reizvollen Stadt, die so viel mehr zu bieten hat als die Ölindustrie, für die sie bekannt ist.

Für uns Deutsche ist es zunehmend schwierig, einen Partner in Großbritannien zu finden, da dort nur wenig Deutsch gelernt wird, deshalb sind wir sehr froh über die Möglichkeit, mit Aberdeen eventuell eine längerfristige Partnerschaft einzugehen. Gedacht ist der Austausch für Schüler der 10. Klasse. Er dauert eine Woche und die Kosten bewegen sich um 500 Euro pro Person.

Cornelia König und Gabriele Grübert, im September 2017