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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! An einem Montagmorgen im Oktober um 7 Uhr war es endlich soweit. Am Regensburger Bahnhof hatten wir, die Schüler des ehemaligen Politik- und Zeitgeschichtekurses von Frau Stöckel und Teile des W-Seminars G/Sk "Populismus", uns versammelt und warteten auf unseren Zug. In Berlin - immerhin mit nur einer halben Stunde Verspätung - angekommen, bezogen wir unsere Unterkunft und starteten dann auch schon sofort zu einer Besichtigungstour. Die ersten Stationen waren das Schloss Bellevue, die Siegessäule und ein kleiner Rundgang in der Nähe des Regierungsviertels, ehe wir an einer Führung durch die Gedenkstätte des deutschen Widerstands teilnahmen. Dort erfuhr man viel über das Schicksal der deutschen Widerstandskämpfer um Georg Elser, Hans und Sophie Scholl bzw. die Weiße Rose, den Wehrmachtsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg und vieler anderer nicht so bekannter Widerständler. Beeindruckend für uns war vor allem der mutige Widerstand von Schülergruppen wie den "Edelweiß-Piraten" u.a. Es mag vielleicht nicht so viele bekannte Widerständler gegen das NS-Regime gegeben haben, aber wenigstens gab es sie. Und in der Gedenkstätte erhalten sie alle einen Platz, damit ihrer gedacht werden kann und ihr Tod nicht umsonst war. Seltsam mutete uns an, dass ausgerechnet ein Künstler, der bei den Nazis Karriere gemacht hatte, im Hof des Bendler-Blocks eine Statue von Stauffenberg gestaltete. Am Abend stand noch ein Theaterbesuch auf dem Programm, deshalb ging es ohne Pause auch gleich weiter zum Deutschen Theater. Auf dem Weg dorthin durften wir einen atemberaubenden Sonnenuntergang neben dem Kanzleramt erleben und das Theaterstück "Fräulein Julie" von Strindberg hinterließ bei uns allen einen positiven Eindruck; trotz einiger Bedenken im Vorfeld waren wir von der Inszenierung beeindruckt.

Am nächsten Tag waren wir zunächst im Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors", wo man die unglaubliche Brutalität der NS-Zeit nochmal vor Augen geführt bekommt. Sei es die Judenverfolgung, der systematische Aufbau eines Terrorregimes oder die Befreiung durch die Alliierten, es wird alles sehr detailliert dargestellt und man bekommt eine Vorstellung vom Ausmaß der grausamen NS-Verbrechen. Besonders interessant neben der Dauerausstellung war die aktuelle Ausstellung zu dem Staatsanwalt Fritz Bauer, der nach seinem Exil nach Deutschland zurückkam und sich um den neu entstehenden Rechtsstaat in der BRD verdient gemacht hatte. Daran anknüpfend fuhren wir nach einer Mittagspause noch ein Stück aus dem Zentrum hinaus zum Haus der Wannseekonferenz. Dort wurden mit uns zuerst noch einmal die Grundlagen dieser Konferenz wiederholt, bevor uns die hochrangigen Teilnehmer der Konferenz näher gebracht und Auszüge aus dem abschließenden Protokoll gezeigt wurden. Außerdem konnten wir uns die neu konzipierte Ausstellung im Inneren des Hauses ansehen. Dort bekommt man einen besseren Einblick in den Ablauf dieser Konferenz und somit noch tiefer gehende Informationen als im knapp bemessenem Unterricht überhaupt vermittelt werden können. Nach der Rückkehr zur Jugendherberge stand uns die restliche Zeit an diesem Tag zur freien Verfügung. Einige haben diese zum Beispiel genutzt, um sich ein Champions League Spiel der Eisbären Berlin anzuschauen.

Am Mittwoch sind wir zuerst vom Brandenburger Tor zum Gendarmenmarkt gelaufen, über den Platz bei der Humboldt Universität, dann zur Museumsinsel, wo wir das Deutsche Historische Museum besucht haben. In dieser ganz aktuellen Ausstellung mit dem Titel "Die Liste der Gottbegnadeten" konnten wir uns vor allem über Künstler informieren, die ihre während der NS-Zeit begonnene Karriere in der BRD nahtlos fortsetzen konnten. Ein Themenfeld, das vielen von uns bis dahin nicht so gut erschlossen und bekannt war, das aber doch sehr zur Diskussion anregte. Der nächste Programmpunkt an diesem Tag führte uns in den Bundestag, wo wir einen Vortrag eines Mitarbeiters auf der Besuchertribüne hörten. Dieser skizzierte uns die Grundlagen der Gewaltenteilung und erklärte die verschiedenen Abläufe im Bundestag bei Sitzungen, Abstimmungen oder Vollversammlungen. Danach folgte die Besichtigung der Kuppel des Bundestags, von welcher man einen phänomenalen Blick über Berlin hat. Fußläufig konnten wir nun den letzten Programmpunkt des Tages erreichen, nämlich das Denkmal der ermordeten Juden. Beeindruckt von diesen vielen neuen Informationen genossen wir die Abendstimmung in Berlin, bevor wir uns dann schließlich an unserem letzten Tag mit der Geschichte der DDR befassten. An der Bernauer Straße konnte man das Leben von damals an der Grenze immerhin erahnen. In dem dortigen Museum waren die Geschichte der Teilung und Fluchtversuche aus der DDR dargestellt. Hier bekam man einen guten Überblick über das, was noch vor 35 Jahren Realität war: ein getrenntes Deutschland. Nach dieser letzten Besichtigung haben wir uns zum Bahnhof und somit Richtung Heimat aufgemacht, wo wir alle gegen 19 Uhr wieder sicher angekommen sind.

Alles in allem war es eine sehr schöne, spannende und intensive Woche in Berlin, wo man viel gelernt und gesehen hat, was ein normaler Tourist vielleicht nicht sieht. Deshalb möchten wir uns noch einmal sehr herzlich bei unseren Lehrern und Begleitern Frau Stöckel und Herrn Sjöström bedanken, dass sie uns diese Woche ermöglicht haben.

Christian Walser, Q12

Berlin1 2021 22

Berlin2 2021 22