• Startseite 11
  • Startseite 1
  • Startseite 9
  • Startseite 8
  • Startseite 7
  • Startseite 6
  • Startseite 5
  • Startseite 4
  • Startseite 3
  • Startseite 2
  • Startseite 10

Am 11.12 besuchte Herr Benneckenstein im Rahmen von "Schule ohne Rassismus" nun schon zum wiederholten Male das AMG. Nachdem der Schulleiter Herr Thammer den Referenten begrüßt hatte, stellte dieser sich und die Aussteiger-Organisation Exit-Deutschland den anwesenden Schülern kurz vor. Felix Benneckenstein war einst ein bekannter Musiker in der rechtsextremen Szene, bevor er mithilfe von Exit den Ausstieg geschafft hat.

Neben Exit stellte Herr Benneckenstein auch die Organisation HAYAT vor. Sie unterstützt Menschen, die islamistische Vereinigungen, die mit ähnlichen Argumenten und Feindbildern wie Rechtsradikale um Mitglieder werben und diese auch in ihren Gruppen halten, verlassen wollen.

Benneckenstein

Rechtsradikale sehen ihre Ideologie oft als "friedliche Alternative" zum Krieg führenden, globalisierten, von Amerika dominierten Herrschaftssystem. Herr Benneckenstein erzählte, auf welchem Wege er, wie andere auch, sich von dieser Ideologie überzeugen ließ. So rutschte er in einer schwierigen Phase seiner Jugend in diese Szene und hatte anfangs durchaus Zweifel an deren Ideologie, die er sich aber aus heutiger Sicht leider von den falschen Menschen nehmen ließ. Er erläuterte, wie vor allem die "Opferrolle" der eigentlichen Täter in diesen Diskussionen immer eine Rolle spielt und bei frustrierten Jugendlichen auf fruchtbaren Boden fällt. Vertieft ging er auf die Funktion von Propaganda in der Form von Rechtsrock ein, den er selbst ja auch später als Musiker zur Propaganda und zur Gewinnung von Anhängern nutzte.

Er zeigte am Beispiel der Holocaustleugnung die bizarrste Argumentationskette rechtsradikaler Propaganda auf. Dabei betonte er einerseits die Abstrusität des daraus resultierenden Schlusses, andererseits warnte er davor, dass weniger extreme Argumente zunächst nachvollziehbar und sinnvoll erscheinen und am Ende zu Überzeugungen führen können, die man zunächst noch weit von sich weisen würde.

Am Beispiel seiner Frau, die in der HdJ (Heimattreue Deutsche Jugend) aufgewachsen ist (seit 2009 verboten), zeigte der Referent, welche Bedeutung die Jugendarbeit rechtsradikaler Organisationen für die Überzeugungen und den Lebensweg der Jugendlichen haben kann. Unter anderem beweisen die Erziehungsmethoden, die hier und auch im Elternhaus angewendet werden, die menschenverachtende Einstellung vieler Rechtsradikaler. Die traumatischen Kindheitserfahrungen seiner späteren Frau schürten bei Felix Benneckenstein erste Zweifel an dieser Ideologie.

Ein wichtiger Impuls hin zur Deradikalisierung, die sehr viel länger dauerte als die Radikalisierung, war für den Referenten der Umgang seines rechtsradikalen Umfelds mit Menschen mit Behinderung. Da sein Bruder, zu dem er immer ein liebevolles Verhältnis pflegte, mit Downsyndrom geboren wurde, blendete er zunächst abfällige Bemerkungen aus seinem rechtsradikalen Freundeskreis aus. Später, als bereits stärkere Zweifel an seinen Überzeugungen aufkamen und er die menschenfeindlichen Einstellungen „seiner“ Gruppe bewusst wahrnehmen konnte, bestärkte ihn dies, sich von der rechtsnationalen Szene abzugrenzen. Eine hohe Hürde beim Ausstieg war es, Kontakte zu ehemaligen Freunden zu kappen, da man damit natürlich plötzlich isoliert ist. Hier setzt unter anderem die Arbeit von Exit an. Die Mitarbeiter stärken den Aussteigern den Rücken und unterstützen sie in diesem wichtigen Schritt. Trotzdem dauerte der Ausstieg für Felix Benneckenstein und seine Frau auch mithilfe von Exit noch eine ganze Zeit.

Am Ende des Vortrags hatten die Schüler, wie immer, noch Gelegenheit mit dem Referenten bestimmte Themen zu diskutieren. Sie zeigten sich zu einem großen Teil sehr interessiert und hatten viele Fragen, die z. B. das Verhältnis zu seinen Eltern, Geschwistern und (ehemaligen) Freunden vor und nach dem Ausstieg betrafen. So war es beim Einstieg in die Szene für Felix Benneckenstein zum Bruch mit seinen eher liberalen Eltern gekommen, während es später zwangsweise zum Bruch mit den ehemaligen "Kameraden" kam. Außerdem interessierte die Schüler, ob Herr Benneckenstein sich im Zuge eines immer lauter werdenden rechten Populismus bedroht fühle, was er leider bejahen muss. Zuletzt wird noch die Frage diskutiert, ab wann er bestimmte Einstellungen als radikal und gefährlich bezeichnen würde. Für den Referenten ist eine eindeutige Grenze überschritten, wenn es bei rechtsnationalem Gedankengut zur „Entmenschung“ von als Gegnern betrachteten Personen oder Personengruppen kommt. Seiner Meinung nach würden bereits Äußerungen wie "Überfremdung", "Volkstod" oder das Kategorisieren in "verschiedene Rassen" mit speziellen Attributen und Eigenschaften ein menschenverachtendes und gewaltsames Vorgehen gegenüber Mitmenschen implizieren. Nachdem alle Fragen beantwortet waren, verabschiedete sich der Referent, der für seinen Mut, mit seiner Vergangenheit zu brechen und diese nicht nur aufzuarbeiten, sondern sich auch aktiv gegen Rassismus und Rechtsradikalismus zu engagieren, von den Schülern mit viel Applaus bedacht wurde.

Josef Hanslmaier (LAss) und Kerstin Stöckel (Koordination Schule ohne Rassismus)