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Die Schüler der letztjährigen 10b haben sich gemeinsam mit Schüler des Wahlunterrichts "Politik und Zeitgeschichte" in einem landesweiten Wettbewerb im Rahmen von "Lernort Staatsregierung" durchgesetzt und eine Fahrt nach Brüssel zu den europäischen Institutionen gewonnen.

Die Anreise der Gruppe von 23 politisch interessierten Schülern erfolgte bereits am Sonntag, dem 23.9. Brüssel ist eben nicht in ein paar Stunden zu erreichen, aber den Sonntag opferten die Schüler gerne für die besonderen Einblicke, die ihnen geboten wurden. Denn wann kann man schon das Europaparlament, die Europäische Kommission und auch die "Vertretung Bayerns in Europa" besuchen. Am ersten Abend reichte die Zeit allerdings nur noch für einen Spaziergang in die schöne Altstadt Brüssels und die Besichtigung des pittoresken Grote Markt.

Am nächsten Morgen traf die Gruppe einen Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung, die diese Fahrt organisatorisch und finanziell unterstützt, vor dem Gebäude der EU-Kommission. Dort erwartete die Schüler, nach sorgfältigen Sicherheitskontrollen, bereits ein unterhaltsamer Redner aus Wien, der seit 20 Jahren als Jurist für die EU Kommission arbeitet. Sein interessanter und kurzweiliger Vortrag bot einerseits viele Einblicke in die Aufgaben der EU, und andererseits unterhielt er die Gruppe auch mit amüsanten Anekdoten aus seinem persönlichen Arbeitsumfeld. Danach erfolgte ein Imbiss in der fast schon prunkvollen "Vertretung Bayerns in Europa", die in einem Schlösschen in unmittelbarer Nähe des Europäischen Parlaments liegt. Auch dort hörten wir einen informativen Vortrag über die Aufgaben der bayerischen Vertretung und durften die repräsentativen Räume, sowie den Bierkeller und die Weinstube, besichtigen. Im Anschluss daran erwartete uns ein Stadtführer, der uns im Bus die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der europäischen Hauptstadt erläuterte und uns zum Schluss noch zu Fuß durch die Altstadt Brüssels führte.

Der Auftakt des nächsten Tages bildete ein Besuch im Europäischen Parlament: Auch dort beeindruckte uns der Redner nicht nur durch sein temperamentvolles Plädoyer für Europa, sondern vor allem auch durch seine Fähigkeit sechs europäische Sprachen zu sprechen. Vier Sprachen sind wohl Standard für die EU-Beamten und fünf keine Seltenheit. Die zweite Hälfte des Vortrags fand dann direkt im Plenarsaal des Europäischen Parlaments statt. Unsere Schüler hatten viele Fragen, die sich von den Details der Übersetzungsmodalitäten (für 24 EU-Sprachen gibt es Übersetzer) bis hin zum (umstrittenen) beständigen Wechsel des Parlaments zwischen Straßburg und Brüssel erstreckten, und keine davon blieb offen.

Im Anschluss verließen wir Brüssel und fuhren zum 120 km entfernten Soldatenfriedhof nach Langemark, auf dem ca. 45 000 Soldaten begraben sind. Beklemmend und beeindruckend zugleich war die Atmosphäre dieser Gedenkstätte. Dort liegen sehr viele junge Soldaten und vor allem auch Reservisten, die bei der berüchtigten Schlacht von Langemark fielen. Eine bekannte Propagandanachricht, die im Deutschen Reich verbreitet wurde, dass die jungen Soldaten freudig das Deutschlandlied singend in die Schlacht gezogen seien, gilt als Chiffre der Kriegsverherrlichung und dieser irrwitzige "Mythos von Langemark" hielt sich lange hartnäckig.

Die ungeheure Anzahl der Toten, die völlig sinnlos hier in einem martialischen Stellungskrieg ihr Leben lassen mussten, und die Menge von anonymen Gräbern hinterließen einen bleibenden Eindruck bei der gesamten Gruppe, der durch die heute so friedlich wirkende Gegend noch verstärkt wurde.

Unsere nächste Station war Ypern, eine kleine Stadt in Westflandern, die, wie kaum eine andere Stadt in Belgien, zum Symbol für das sinnlose Sterben im Ersten Weltkrieg wurde. Ypern, das eigentlich im "Großen Krieg" völlig zerstört wurde, wurde danach wieder identisch aufgebaut und es ist kaum vorstellbar, dass hier vor 100 Jahren kein Stein mehr auf dem anderen stand. In Ypern besuchten die Schüler das relativ neue und aufwendig gestaltete Museum des Ersten Weltkriegs "In Flanders Fields". Auch hier lässt sich das Grauen des Kriegs nur erahnen, aber der Wirkung dieses Ortes kann sich kaum jemand entziehen. Die roten Mohnblumen, die in Ypern zum Symbol des Sterbens im Ersten Weltkrieg wurden, begleiteten durch die Ausstellung und tauchen in der gesamten Gegend immer wieder auf, um an die unzähligen Opfer des Krieges zu erinnern. Die traurige Absurdität dieser großen Katastrophe des 20. Jahrhunderts wird an der erschütternden Dokumentation einer gemeinsamen Weihnachtsfeier der gegnerischen Soldaten im Museum deutlich, die, wie viele andere Zeugnisse der Ausstellung auch, zeigt, dass die meisten französischen, deutschen und englischen Soldaten genau wussten, dass im Schützengraben gegenüber nicht ihre Feinde standen, sondern ebenso bedauernswerte Menschen wie sie selbst, die dieselben grauenhaften Erfahrungen machten, die gleiche Angst vor dem allgegenwärtigen Tod empfanden und kaum Hoffnung auf eine glückliche Zukunft hatten.

Für viele Schüler war dieser letzte Tag besonders beeindruckend und verstärkte sicher die Erkenntnis, wie bedeutend und essentiell wichtig ein friedliches Europa heute ist. Das Geschenk einer so langen Friedenszeit, wie sie die Länder der Europäischen Gemeinschaft und später der Europäischen Union erfahren haben, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden.

Besonderer Dank geht an den Volksbund deutscher Kriegsgräbervorsorge und an die Europa-Union in Regensburg, die mit ihrer großzügigen Spende diesen Blick aus der europäischen Gegenwart zurück in die europäische Vergangenheit ermöglichten.

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